Anleitung: Wasser nuckeln

So manches Mal werde ich von anderen Welli-Haltern darum beneidet, dass meine Vögel so gerne Wasser aus der Spritze nuckeln. Das kann natürlich im Krankheitsfall durchaus hilfreich sein. Es macht ihnen aber nebenbei bemerkt so viel Freude, dass sie das sehr gerne annehmen und sich gar um die besten Plätze in der ersten Reihe kloppen, oder wie Zilla, die das Baden an der Spritze sehr gerne mochte.

Hier zeige ich zahlreiche Bilder und Videos zum Thema (klick) .

Müssen die Vögel dafür zahm sein?

Meine sind das keinesfalls und ein Teil möchte auch lieber etwas Abstand zu mir halten. Und dennoch nuckeln hier alle Schwarmmitglieder. Es ist also nicht zwingend erforderlich, dass die Tiere für solche Dinge zahm sein müssen und sollte kein Grund sein, es nicht wenigstens einmal zu probieren.

Der erste Vogel, der bei mir einen Tropfen von der Spritze naschte, war der scheueste von allen. Die anderen sahen das und wurden neugierig. Von da an war das Eis gebrochen und seitdem ist die Nuckelei fester Bestandteil in unserem Alltag geworden. Selbst sehr scheue Neulinge wollen das hier schon in den ersten Tagen probieren weil sie sehen, dass die anderen sehr gierig danach sind.

Im Prinzip wird hier nur ein ganz ursprünglicher Instinkt angesprochen: Wellis stammen aus recht trockenen Gegenden und trinken am Morgen gerne Tautropfen von den Pflanzen. Dieser Tropfen auf der Spritze ist genau genommen nichts anderes.

Wann und wie sollte man das trainieren?

Wichtig wäre es vorab noch zu sagen, dass man das am Besten schon übt, wenn die Vögel gesund sind, damit sie das im Krankheitsfalle bereits kennen.

Die besten Übungszeit ist in der aktiven Phase der Vögel. Da sind sie sehr aufgeschlossen und neugierig. In der Ruhezeit solle man sie damit besser nicht behelligen, denn da haben sie meist kein Interesse an Interaktionen.

Man kann es auch über das sog. Clicker-Training erreichen, dass die Vögel Wasser von der Spritze nehmen, ist aber wesentlich aufwändiger und auch nicht zwingend notwendig in dieser Sache. Ich selbst habe es mir da wesentlich einfacher gemacht und es funktioniert ganz wunderbar:

Anleitung

Zutaten:
1 ml Spritze zu gleichen Teilen mit Wasser und Ringerlösung oder NaCl gefüllt
1 kleines Stück Packpapier
1 Portion Geduld

Spritzen gibt es verschiedene und ich empfehle für den Anfang eine 1 ml-Spritze. Auch da gibt es unterschiedliche und man muss ausprobieren, was besser ankommt. Mehr dazu weiter unten.

Ich selbst hatte am Anfang die Spritze auf dem nachfolgenden Bild mit einem kleinen Streifen Packpapier eingewickelt. So schaut das nicht gar so fremdartig aus und erinnert zumindest entfernt an ein Ästchen. Den unteren Teil verbirgt man ohnehin durch die Hand, muss also nicht eingewickelt sein.

Wichtig ist dabei, dass sich die Tiere bei dem Vorhaben in einer aktiven Phase befinden. Wenn sie gerade schlafen oder entspannen, wird man wohl eher vergeblich warten.

Es liegt alles bereit, die Vögel sind aktiv, dann kann es losgehen…

Die Spritze wird mit der Öffnung nach oben in einer für die Tiere angenehmen Entfernung gehalten, ohne dass sie beim bloßen Anblick Stress bekommen. Die Stelle sollte für die Vögel gut erreichbar sein und natürlich sollten sie es auch sehen können.  Damit man das länger aushalten kann, ohne dass der Arm schwer wird und man anfängt zu wackeln, sucht man sich dafür eine gut geeignete Stelle aus, die man dann immer zum Training verwenden kann. Wackelnde und neue Sachen werden ja bekanntermaßen als gefährlich eingestuft und das wollen wir soweit als möglich vermeiden.

Hat man die Spritze gut positioniert, einen Tropfen so weit heraus drücken, dass er durch die Oberflächenspannung auf der Spritze stehen bleibt. Jetzt einfach nur schauen, wie die Tiere reagieren. Ist es Neugierde, vielleicht gepaart mit ein bisschen Skepsis? Dann einfach weiter halten und zeigen.

Wichtig zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass man diese Position unbedingt beibehalten sollte und sich nicht weiter nähern oder gar bedrängen. Es ist besser, wenn der Vogel die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden, wie weit er gehen möchte.

So lernen sie, dass das ungefährlich ist. Mit etwas Glück kommt der Mutigste von allen her, um sich den Tropfen zu schnappen. Der Rest ist dann quasi ein Kinderspiel. Wenn ich meine doch mal überreden muss (z.B. bei Medizin), schmatze ich ich dazu ein bisschen, um es ihnen schmackhaft zu machen. Der Futterneid richtet das schon von ganz alleine…

Wenn alle Stricke reißen und sie es nicht annehmen wollen, weil sie ganz schreckliche Angst vor der Hand haben, würde ich es versuchen, die Spritze z.B. an der Voliere oder einem beliebten Platz zu befestigen, damit sie sich an den Anblick gewöhnen können. Gut befestigt kann man einen Tropfen heraus drücken, weggehen und aus der Entfernung beobachten was geschieht. Vielleicht kann man sie auch auf diesem Wege überreden…

Verschiedene Spritzenmodelle

  1. Omnifix-F Spritze 1 ml
  2. Injekt-F Spritze 1 ml
  3. Injekt Spritze 2 ml
  4. Injekt Spritze 5 ml

Die kleinen Spritzen bekommt man z.B. auch vom Tierarzt zum Abmessen und zur Gabe von Medikamenten für die Behandlung mit. Was für das Training nun besser ist, muss man einfach ausprobieren. Für die in Packpapier eingepackte Spritze würde ich vielleicht eher das erste Modell wählen, weil hier kein türkisfarbener „Stift“ zum Vorschein kommt, wenn sie leer wird.

Die Modelle 2 – 4 nutze ich gerne, weil ich einen Vogel habe, der wohl auf diese Farbe steht und direkt auf der Spritze anfangen will mit baden. Auch das als Hinweis, wenn es vielleicht mit der ersten Spritze nicht so recht klappen will. Vielleicht kann auch die Farbe behilflich sein.

Verdünnung von Medikamenten

Bei manchen Medikamenten würden die Vögel pur gegeben nichts von der Spritze nehmen wollen, weil diese einen sehr starken Eigengeschmack haben. In so einem Fall ziehe ich die zu verabreichende Menge der Medikation in der kleinen Spritze auf und übertrage sie mit einer Kanüle in eine 2 ml-Spritze, zu der ich dann noch 0,5 ml (in seltenen Fällen sogar bis knapp 1 ml) Ringerlösung oder NaCl (0,9%) hinzu gebe. Dann ziehe ich die Spritze noch weiter auf, damit Luft enthalten ist und verschließe sie mit der Kanüle und dem dazugehörigen Deckel. So kann man die Mischung wunderbar schütteln, damit sich ein Gemisch bildet.

Dies ist allerdings nicht mit allen Medikamenten möglich und in manchen Fällen hilft leider nur die orale Gabe. Das wären z.B. welche die sich nicht in Wasser lösen lassen. Das hatte ich die letzten Jahre allerdings nur sehr selten. Am Besten beim Tierarztbesuch gleich fragen, ob es mit dem verschriebenen Medikament möglich ist, kurz vor der Verabreichung so eine Mischung zu machen.